{"id":906,"date":"2010-07-04T15:48:42","date_gmt":"2010-07-04T14:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/haus-schwarzenberg.org\/?page_id=906"},"modified":"2016-09-22T11:47:19","modified_gmt":"2016-09-22T09:47:19","slug":"danielle-de-picciotto","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/haus-schwarzenberg.org\/en\/schwarzenberg-e-v\/jubilaum-2010\/danielle-de-picciotto\/","title":{"rendered":"Danielle de Picciotto_interview"},"content":{"rendered":"<p>5 Fragen an &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/haus-schwarzenberg.org\/wp-content\/uploads\/danielle-de-picciotto.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2130\" src=\"https:\/\/haus-schwarzenberg.org\/wp-content\/uploads\/danielle-de-picciotto.png\" alt=\"Danielle de Picciotto\" width=\"125\" height=\"188\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Danielle de Picciotto<\/strong> ist seit \u00fcber zwanzig Jahren eine Vorzeigefigur der Berliner Kulturszene. Bekannt als K\u00fcnstlerin, Musikerin und Filmemacherin war sie auch als Initiatorin immer damit besch\u00e4ftigt neuen Ideen Raum zu geben. Zusammen mit Dr. Motte begr\u00fcndete sie 1989 die Love Parade, mit Gudrun Gut 1993 den Ocean Club, mit Dimitri Hegemann gestaltete sie den Tresor und vom Goethe Institute geschickt reiste Sie ab 1998 nach Bosnien, Hong Kong, Mexiko und Japan um ihre vielseitigen Projekte vorzustellen. Ihre Zeichnungen h\u00e4ngen im Ausw\u00e4rtigen Amt, ihre Malerei wird von Musiklegenden gesammelt, ihre Filme international auf Festivals gezeigt. Heute tourt Danielle de Picciotto mit ihrem Ehemann Alexander Hacke, dem Bassisten der Einst\u00fcrzenden Neubauten, um die Welt und stellt ihre Projektionen und Musik in selbstiniziierten B\u00fchnenshows einem internationalen Publikum vor.<\/p>\n<p><strong>Wann und wie kam die Verbindung zum Schwarzenberg e.V. zu Stande?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kenne die K\u00fcnstlergruppe Dead Chickens seit Ende der 80er Jahre. Mit Kai und Henryk habe ich eigentlich seitdem ich in Berlin lebe (1987) regen Austausch und wir haben unz\u00e4hlige Events und Ausstellungen zusammen auf die Beine gestellt. Mit Breeda CC habe ich in den 90ern \u00f6fters zusammen ausgestellt und fand ihren subversiven Humor immer toll. Bei den meisten Ausstellungen, die ich selber organisiert habe, war sie deswegen immer dabei. Hannes hat mir dann 2000 geholfen eine B\u00fchnenkulisse f\u00fcr ein italienisches Theaterst\u00fcck zu bauen und nachdem wir vier Wochen lang im Dead Chickens Studio zusammen geschwei\u00dft, geklebt, Pizza gegessen und Horrorfilme angeschaut hatten, waren auch wir Freunde geworden.<\/p>\n<p>Als die Gruppe das Haus Schwarzenberg gr\u00fcndete, war ich begeistert und bin es bis heute. Die Mischung aus Galerie, Club und Monster Museum finde ich gro\u00dfartig.<\/p>\n<p><strong>Kannst Du etwas \u00fcber die Stimmung erz\u00e4hlen, die damals in Mitte herrschte?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stimmung in Mitte war in den 90ern anarchistisch und inspirierend. \u00dcberall gab es illegale Clubs, Bars und Parties die, liebevoll von Clubk\u00fcnstlern dekoriert, wie bunte Blumen in einer Landschaft aus Schutt und Asche zu wachsen schienen. Der ehemalige Ostteil der Stadt war eine unbekannte Landschaft, die es zu entdecken galt und dies tat die Berliner Kunstszene ausf\u00fchrlich. Ein Paradies an leer stehenden H\u00e4usern offenbarte sich, perfekt f\u00fcr Ateliers, Studios, billige Wohnungen und Galerien. Es waren die letzten Jahre, in denen man mit wenig Geld viel Platz und Zeit hatte, in Ruhe an seiner Kunst oder Musik zu arbeiten. Ein unendlicher Output an Kunst wurde dadurch erm\u00f6glicht und str\u00f6mte aus der Stadt. Von dem Ruf dieser Zeit lebt Berlin noch heute.<\/p>\n<p><strong>Wann hattest Du deine erste Ausstellung in der neurotitan Galerie?<\/strong><\/p>\n<p>Meine erste Ausstellung im Neurotitan war 2003 &#8222;Petshop&#8220; zusammen mit der Comic-Zeichnerin Lillian Mousli. Meine Arbeiten bestanden gr\u00f6\u00dftenteils aus \u00fcberlebensgro\u00dfen Holzmarionetten mit t\u00e4towierten Tierk\u00f6rpern und Masken.<\/p>\n<p><strong>Was macht f\u00fcr dich das Besondere an Haus Schwarzenberg aus?<\/strong><\/p>\n<p>Das Besondere f\u00fcr mich an dem Haus Schwarzenberg ist die Begeisterung f\u00fcr jegliche Art von guter Kunst &#8211; ob akademisch oder Underground und deren unbeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung. Es gibt heutzutage wenige Kulturinstitutionen, die so viel mit so wenig finanzieller Unterst\u00fctzung machen. Auch dass sie unbekannte, autodidaktische K\u00fcnstler, ob jung oder alt, unterst\u00fctzen und eine Plattform bieten, ist ungew\u00f6hnlich. Die Auswahl der K\u00fcnstler bezieht sich nicht auf akademische Beziehungen sondern auf Kreativit\u00e4t, Zeitgeist und Individualit\u00e4t.<\/p>\n<p>In der Zusammenarbeit mit dem Neurotitan oder dem Eschschloraque gibt es keine Hierarchien, jeder packt mit an, alle sind zuverl\u00e4ssig und freundlich. Es herrscht eine wunderbare Stimmung von &#8222;wir sitzen alle im gleichen Kunstboot&#8220;. Dies macht jede Zusammenarbeit zu einem wirklich interessanten Austausch.<\/p>\n<p><strong>Was hat sich in den letzten 15 Jahren ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Das Leben in Berlin ist seit den 90ern schwieriger geworden. Finanzielle Unterst\u00fctzung ist kaum vorhanden, die Mieten sind gestiegen und das Leben insgesamt viel teuerer. Berlin lebt von seinem kreativ Ruf, die meisten K\u00fcnstler in der Stadt leben aber am Existenzminimum und k\u00f6nnen sich nur mit Nebenjobs \u00fcber Wasser halten. Orte wie das Haus Schwarzenberg sind lebensnotwendig um K\u00fcnstlern weiterhin die M\u00f6glichkeit zu geben, Ihre Arbeiten auszustellen und Geld mit Auftritten zu verdienen. Ohne diese Art von Kulturst\u00e4tten w\u00fcrde der kreative N\u00e4hrboden Berlins endg\u00fcltig dem billig Tourismus und der &#8222;Flatrate&#8220; Lebenseinstellung weichen m\u00fcssen und kl\u00e4glich verk\u00fcmmern.<\/p>\n<p><strong>Hast Du einen Geburtstagswunsch f\u00fcr Haus Schwarzenberg<\/strong>?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche dem Haus Schwarzenberg einen sch\u00f6nen Geburtstag, ein langes Leben und viel Unterst\u00fctzung, damit es in seinen alten Tagen auch noch kreativ walten kann.<\/p>\n<p>&lt;!&#8211;<strong>Danielle de Picciotto wird am 28. Oktober zusammen mit Alexander Hacke in der neurotitan Galerie den Vortrag \u201e20 Jahre Berliner Kreativit\u00e4t\u201c halten.<\/p>\n<p>&#8211;&gt;<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5 Fragen an &#8230; Danielle de Picciotto ist seit \u00fcber zwanzig Jahren eine Vorzeigefigur der Berliner Kulturszene. Bekannt als K\u00fcnstlerin, Musikerin und Filmemacherin war sie auch als Initiatorin immer damit besch\u00e4ftigt neuen Ideen Raum zu geben. 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